Der Beruf des Journalisten ist ein anderer geworden in Zeiten der Netzkultur, so haben wir heute von dem Journalisten Bernd Schwedhelm erfahren. Die Veränderungen betreffen die redaktionelle und inhaltliche Arbeit, die zunehmende Bedeutung von technischem Know-How, was neue Arbeitsvorgänge und somit neue Inhalte zur Folge hat. Das redaktionelle Angebot der Verlage und Rundfunkanstalten im WWW ist so schnell und effizient erreichbar, dass uns das Vorinternetzeitalter als eine Ära erscheint, in der Wissen und Information künstlich verknappt waren. Zudem erweitern Social Networks, Wikis und Blogs das Angebot an frei verfügbaren Informationen. Der professionelle Journalist bekommt Konkurrenz in seiner Funktion als Wissensvermittler. Der Zeitungsleser, angewiesen auf die redaktionelle Auswahl, die eine Redaktion für ihn trifft, wird ersetzt durch den User, der sich seine Nachrichten selber beschafft. Und damit die Nachrichten verändert, denn längst ist der Leser selbst zum Anbieter von Informationen geworden: In eben diesen Social Networks und Blogs und Kommentarspalten.
Schwedhelm macht aufmerksam auf den Trend der personalisierten Information. Wenn die Maschine sich merkt, was mich interessiert, dann kann sie den Inhalt darauf abstimmen und ich muss nicht mehr die halbe Zeitung wegschmeißen.
Auch wir als Wissenschaftler fragen uns daher: Sind unsere Kanäle der Wissensaneignung und -vermittlung da noch zeitgemäß? Schwedhelm spricht von der digitalen Wissensgesellschaft, in der andere Kompetenzen gefragt sind, als noch vor zehn Jahren.
Auch unser Verständnis der Darstellung von Forschungsergebnissen ändert sich. Überraschenderweise spielte in der Diskussion die Webanwendung Wikipedia eine zentrale Rolle, in einigen Wortmeldungen meinte der geneigte Zuhörer eine gewisse Skepsis gegenüber derart unverfroren frei verfügbarem Wissen zu erkennen. Wikipedia-Kritik gehört unter Historikern mittlerweile schon zum guten Ton. Überraschend war die einigermaßen kontroverse Diskussion aber deshalb, weil der Vortragende Wikipedia vorher mit keinem Wort erwähnt hatte. Auffällig scheint mir bei diesem Thema immer wieder, dass die Nachteile der Wikipedia im Gegensatz zu den Nachteilen des gedruckten Lexikons einigermaßen überbetont werden. Im Plenum fiel der Begriff Digital Divide.
Eine Zuhörerin merkte an, die interessante Frage sei nicht unbedingt, dass etwas trennt, sondern warum es als trennend empfunden wird. Ein gutes Schlusswort nach einem anregenden Vortrag.